Das 1×1 der Gym-Etiquette

Willkommen im Gym!

 

Das Fitnessstudio ist eine Welt für sich, mit eigenen Regeln, Hierarchie und Gepflogenheiten. Die alten Hasen haben diese längst verinnerlicht und sie helfen ihnen dabei, sich in jedem Studio auf diesem Planeten sofort wie Zuhause zu fühlen. Aber des einen Freud ist des anderen Leid, und was bei den Veteranen des Sports ein Gefühl der Dazugehörigkeit erzeugt, schreckt andere eher davon ab, ein Teil der Fitnesscommunity zu werden. Um euch diesen Einstieg ein wenig zu erleichtern und euch den Sinn hinter den gelebten Traditionen in den Studios näherzubringen, erklären wir euch in diesem Artikel die wichtigsten ungeschriebenen Gesetze der Gym-Etikette.

 

Entweder das, oder ich rante einfach mal über ein paar Absätze drauf los, jedenfalls sollte man den einen oder anderen Punkt vielleicht nicht zu ernst nehmen.

 

 

1. Wie man eine Hantel richtig belädt

 

Fangen wir mal mit einem Punkt an, der einigen vielleicht unwichtig oder überzogen vorkommen mag. Aber ich kann euch versichern, dass die richtige Weise, Gewichte auf eine Hantelstange zu verteilen, von essentieller Bedeutung ist wenn es darum geht, euch den Respekt und die Akzeptanz der Alteingesessenen zu verschaffen. Und ja, es gibt ein korrektes System und zwar nur eines, jede andere Variante sollte per Gesetz verboten werden!

 

Da wäre erstmal die Reihenfolge: Die schwersten Scheiben kommen immer nach innen, und die leichteren nach außen, ausnahmslos. Die Gewichte sind dabei aus den möglichst größten Scheiben zu bilden und nicht aus diversen kleinen Scheiben. Ausgenommen die kleineren Scheiben passen zu eurer Warmup-Routine, da kann man mal ein Auge zudrücken. Das ist nicht nur ästhetischer, es macht es auch anderen Mitgliedern leichter, mit einem verstohlenen Seitenblick zu erkennen, wie stark ihr seid und ist außerdem ressourcenschonender. Spätestens wenn man das halbe Gym nach einer 5er-Scheibe absucht und dann irgendeinen Witzbold findet, der 20 davon auf die Beinpresse geladen hat, dann versteht man was ich meine.

 

Es gibt aber eine Einschränkung zu der „so großen Scheibe wie möglich“-Regel: Das System erkennt nur Scheiben bis 20 Kg an. 25 Kg-Scheiben sollten grundsätzlich nur von Powerliftern verwendet werden, sie verwirren euch und eure Beobachter nur unnötig und machen das Rechnen schwerer. Noch größere Scheiben sind generell sinnlos und maximal auf der Beinpresse akzeptabel.

 

Das größte No Go überhaupt ist aber, die zwei Seiten der Stange unterschiedlich zu beladen. Wenn ihr jemanden seht, der beispielsweise auf einer Seite eine 20er-Scheibe aufgeladen hat und auf der anderen zwei 10er, dann ist das ein eindeutiges Zeichen für eine schwere Geisteskrankheit. Meidet solche Personen unbedingt!

 

Korrekt beladene Hantel, die nicht meine Zwangsneurose triggert

 

 

2. Handynutzung

 

Grundsätzlich sollte das Handy im Studio nur für drei Tätigkeiten genutzt werden, und zwar um eure Sätze aufzuschreiben, Musik zu hören und um Beiträge auf LiLo zu verfassen. Alles andere ist schon mal per se kritisch zu sehen. Schon in den Satzpausen Nachrichten auf Whatsapp zu verfassen, macht die Mitglieder der Hardcore-Fraktion trauriger als eine Dokumentation über die Armut in Dritte Welt-Ländern und ist ein klares Minus auf eurem Karmakonto. Die Satzpausen sind dazu da, um mit leerem Blick auf den Boden zu starren, sich mental auf den nächsten Satz einzustimmen und die Tränen nach dem letzten Satz Kniebeugen zu unterdrücken, sonst nichts.

 

Halbwegs akzeptabel ist es zudem, besonders schwere Sätze abzufilmen um eure Technik zu überprüfen oder Beweismaterial zu haben, falls in einer Kommentarspalte jemand bezweifelt, dass man tatsächlich „easy 200 Kilo auf der Bank drückt“. Und was ist mit Influencern? Filmen ist ja quasi deren Job und da man ja irgendwie seine Brötchen verdienen muss, wäre es vielleicht sogar für meine Verhältnisse etwas engstirnig das grundsätzlich zu verteufeln. Das Problem ist, dass sich heutzutage jeder, der einen Gymshark-Stringer im Schrank hat, für einen Fitnessinfluencer hält und meint, dass das Studio sein persönliches Filmset sei und jeder andere Besucher gefälligst einen Sicherheitsabstand von 50 Metern einzuhalten hat, wenn sie ihren 20 Followern erklären, wie man Iliac-Pulldowns richtig ausführt.

 

Aber das schlimmste was man überhaupt machen kann, ist im Studio zu telefonieren, insbesondere wenn man dies auch noch laut und lange tut. In diesem Fall ist es vollkommen legitim, das Handy zu entwenden und mit einer Hantelscheibe zu traktieren, bis man die Überreste durch die Nase ziehen könnte. Die Polizei mag dahingehend zwar anderer Meinung sein aber ich bin sicher, Gott wird euch vergeben.

 

Während des Trainings Beiträge auf Lifters-Lounge checken wirkt anabol und ist deshalb akzeptabel

 

 

3. Wie und wann man Clips benutzen sollte

 

Man sollte meinen, Clips, also die Metall- oder Plastikklemmen um die Scheiben auf der Aufnahme zu fixieren, wären generell eine gute Idee in Sachen Sicherheit und sollten dementsprechend auch immer eingesetzt werden. Und natürlich könnt ihr das auch machen, nur outet ihr euch damit automatisch als Noobs. Spätestens nach ein paar Jahren eurer Trainingskarriere wird euch klarwerden, dass die Dinger fast immer unnötig sind, nervig in der Handhabung und grundsätzlich nur dann fest sitzen, wenn man sie unter größter Anstrengung auf die Stange zwingt aber nie, wenn man sie wirklich braucht. Und deshalb lässt man sie bei nahezu allen Übungen irgendwann weg. Dank der liebevollen Pflege des Equipments und den acht Schichten Rost auf der Aufnahme sitzen die Scheiben, sofern ihr sie überhaupt noch auf die Stange bekommt, ohnehin deutlich fester als ein Clips es je könnte.

 

Und ja, auch hier gibt es Ausnahmen. Beim Kreuzheben sind die Dinger schon ganz praktisch, ansonsten lauft ihr Gefahr dass jeder Satz automatisch zu einem ungeplanten Dropset wird, wenn die Scheiben nach der zweiten Wiederholung fröhlich durch das halbe Studio rollen. Aber ansonsten werdet ihr die Clips kaum einmal wirklich brauchen. Es gibt sogar die ungeschrieben Regel, beim Bankdrücken grundsätzlich auf Clips zu verzichten, weil ihr dann im Fall der Fälle die Scheiben einfach durch eine Neigung der Stange abwerfen könnt, ohne eure letzten Sekunden begraben unter der Hantelstange fristen zu müssen. Clips wegzulassen kann also Leben retten!

 

So richtig dumm wird es aber, wenn Leute die Clips an der Multi- oder Beinpresse oder sonstigen Plate Loaded Maschinen benutzen. Das ist in etwa so sinnvoll wie Stützräder an einem Bobby Car. Ernsthaft, schaut euch mal an wie die Dinger konzipiert sind, so dämlich kann man die gar nicht benutzen als das Clips hier irgendeinen Sinn ergeben würden und ich habe schon so einiges gesehen, was Dämlichkeit angeht, trust me!

 

Die Clips an der Stange anzubringen ist oft anstrengender als die eigentliche Übung

 

 

4. Korrektes Spotten

 

Richtiges Spotten ist eine Kunst für sich, die leider nur wenige wirklich beherrschen, weshalb ihr euch euren Spotter sorgfältiger aussuchen sollte als euren Ehepartner. Letzterer kann euch schließlich nur das Leben versauen, ein mieser Spotter aber euren Bank-PR, was ungleich schlimmer ist. Und um die Analogie noch ein wenig weiterzuspinnen, gehören auch zum Spotten immer zwei Parteien und wenn ihr eurem Spotter nicht vorab klar und deutlich erklärt, wie er euch assistieren soll, dann seid ihr selbst schuld wenn euch das Ergebnis nicht passt.

 

Zunächst einmal ist anzumerken, dass die Wahl des Spotters immer auch mit Respekt und Wertschätzung einhergeht. Schließlich hält euch der Auswählende offenbar für stark genug, um euch im Notfall sein Leben anzuvertrauen oder zumindest für respektabel genug, seinen PR aus nächster Nähe betrachten zu dürfen. Da will man dann natürlich auch nicht enttäuschen.

 

Regel Nummer eins beim Spotten lautet: Greift niemals zu früh an die Stange! Mehr als einmal habe ich erlebt, wie ich versucht habe eine neue Bestleistung aufzustellen aber sobald die Ausführungsgeschwindigkeit auch nur minimal abgenommen hat, hatte mein Spotter auch schon seine Griffel an der Stange und hat mir diese regelrecht aus der Hand gerissen, obwohl ich noch mindestens zwei Reps im Tank hatte. Natürlich habe ich mich, höflich wie ich bin, trotzdem mit zusammengebissenen Zähnen bedankt, während ich innerlich den Drang bekämpfen musste, seine gesamte Blutlinie auszulöschen.

 

Ähnlich nervtötend ist es, wenn man seinen Satz abschließen und die Hantel ablegen möchte, der Spotter aber meint, er müsste gleichzeitig auch als Motivator fungieren. Dann heißt es „jetzt noch 5!“ und bevor man diese nicht absolviert hat, darf man die Stange auch nicht ablegen, zumal es bessere Momente für Diskussionen gibt, als wenn man 130 Kilo Eisen über dem Hals schweben hat. Ihr wisst nicht, ob jemand ein bestimmtes Programm absolviert oder schlicht keine Lust hat, an seine Grenzen zu gehen und wenn er noch ein paar Reps mit Unterstützung machen will, würde er es euch schon sagen. Aber die Entscheidung obliegt ihm und nicht euch, also macht einfach dass wonach ihr gefragt wurdet und sonst nichts.

 

Natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, wenn jemand einen Spotter missbraucht um Gewichte aufladen zu können, die eindeutig zu schwer für ihn sind. Und bevor ihr euch verseht, wird aus seinem Bankdrücken ein Satz aufrechtes Rudern für euch.

 

Deshalb einfach vorab klar kommunizieren wie gespottet werden soll und sich dann hinterher auch daran halten und die Chancen stehen gut, dass ihr euch anschließend nicht auf einer Todesliste wiederfindet.

 

„Alles du, Bruder!“

 

 

5. Nonverbale Kommunikation

 

A propos Kommunikation. Fast jeder war schon einmal in dieser unangenehmen Situation: Man sitzt nichtsahnend vor dem Gerät und hyped sich für den nächsten Satz auf, Kopfhörer auf auf maximale Lautstärke gestellt, während man wartet bis die Lieblingsstelle in seiner Gym-Playlist startet („Kugelhagel aus dem Ca-yenne“). Und plötzlich tippt einem jemand auf die Schulter und fragt wie viele Sätze man noch machen will.

 

Um solche unerwünschten Interaktionen, und im Studio ist fast jede Interaktion unerwünscht, zu minimieren, hat sich unter den Gymrats deshalb eine simple Zeichensprache etabliert, mit der die häufigsten relevanten Belange nonverbal geregelt werden können. Im oben genannten Beispiel wäre das adäquate Vorgehen z.B. folgendes gewesen:

 

Schritt 1: Blickkontakt herstellen

Schritt 2: Mit dem Finger auf das Gerät zeigen

Schritt 3: Mögliche Antworten bestehen aus einem Daumen hoch, was bedeutet, dass das Gerät oder die Stange frei ist und genutzt werden darf oder eine bestimmter Anzahl von Fingern, die für die noch ausstehenden Sätze stehen.

 

Auch wenn man mal großmütig ist, und einem anderen Mitglied Respekt zollen will, ist es Brauch dies ausschließlich nonverbal zu tun, schließlich will man nicht wie ein Fanboy auf der FIBO wirken. Wenn man also sieht, wie jemand ein spektakuläres Gewicht mit solider Form bewegt oder sonst eine beachtliche Handlung ausführt (z.B. seine Scheiben aufräumt, siehe unten) dann kann man dafür schon mal die größtmögliche Geste der Hochachtung verwenden: das anerkennende Nicken. In Extremfällen sogar noch ergänzt mit einem erhobenen Daumen, dann sollte die Leistung aber schon im Bereich eines Guinnessbuch-Eintrags liegen. Wenn man selbst einmal von einem der schweren Jungs das Nicken bekommen hat, dann hat man es endgültig geschafft und kann zufrieden sterben.

 

 

6. No Curling in the Squatrack!

 

Eigentlich selbsterklärend und eines der ungeschriebenen Gesetze des Studios. Das Squatrack ist der Bereich um, wer hätte es gedacht, zu squatten. Auch für Curls gibt es einen Bereich, und zwar den ganzen Rest des Studios. Also lasst euch nicht erwischen wie ihr Rack curlt oder lebt mit dem verdienten Hass.

 

 

7. Die Geräte sind für alle da

 

Auch wenn gewisse Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind, das Studio ist nicht der Poolbereich eines All inclusive-Resorts auf den Balearen. Und da es noch weniger freie Hantelbänke als Liegen am Pool gibt, ist die Okkupation mit einem Handtuch hier noch wesentlich problematischer. Wenn ihr also mal eine freie Bank (oder jedes andere Gerät) ergattern könnt, dann schnappt sie euch, macht eure Sätze und verzieht euch wieder. Ihr reserviert diese nicht bereits vorab und wenn ihr sie endlich besetzt habt, dann quatscht ihr nicht 20 Minuten mit eurem Gymcrush, während eine wartende Meute um eure besetzte Bank kreist wie Geier um ein sterbendes Gnu. Und vor allem besetzt ihr nicht 3 Geräte gleichzeitig weil ihr besonders ausgefallene Mammutsätze im Plan habt, die de facto auf eine Vollsperrung des Studios hinauslaufen. Solche Späße kann man machen, wenn man mal zu Zeiten trainiert, wenn nur wenig los ist oder es sonst keinen stört aber zu Stoßzeiten, wenn man schon froh sein kann überhaupt ein freies Gerät zu finden, muss man sich solchen Schnickschnack eben verkneifen.

 

Und ich verstehe auch, dass man mal längere Satzpausen macht oder mehr als nur drei Sätze Kniebeugen absolviert und das ist auch in Ordnung. Aber wenn ihr seht, dass andere warten, dann erlaubt denen wenigstens, in euren Satzpausen ihre eigenen Sätze zu machen, sofern das keinen Komplettumbau des Equipments zur Folge hat. Besondere der Kabelturm scheint dabei eine geradezu magische Anziehungskraft zu besitzen. Das Ding ist grundsätzlich mit Typen besetzt, die Cable Flys ausführen und zwar mit je 3 Sätzen auf jeder der 18 verschiedenen Höheneinstellungen. Vermutlich kann der Nutzer einfach sein Glück selbst nicht fassen und möchte dieses Erlebnis nun maximal auskosten, denn einen tatsächlich mal einen freien Kabelturm zu finden ist in etwa so wahrscheinlich wie dass Heiko Kallbach für den Nobelpreis nominiert wird.

 

Annektierte Bank

 

 

8. Räumt eure verf***ten Gewichte auf!

 

Wie ihr ja sicher bereits zwischen den Zeilen herauslesen konntet, bin ich ein freundlicher, toleranter und humorvoller Mensch und der eine oder andere Punkt hier ist durchaus auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Aber irgendwann ist Schluss mit lustig. Kein Zwinkern hier, eher ein nervöses Zucken im Augenlid.

 

Ernsthaft, es gibt wohl kein schlimmeres Vergehen im Gym als wenn man seine Gewichte nicht aufräumet, nachdem man mit einer Übung fertig ist und in einer perfekten Welt würden Leute die sowas machen eingesperrt und zwangssterilisiert werden.

 

Für ältere Menschen und Frauen stellt es ein echtes Problem dar, eine 20er-Scheibe von einer Stange oder Maschine zu wuchten, allein deshalb gehört es sich schon, die Scheiben zurück auf die Ablage zu befördern. Und es geht nicht nur um das Um- und Abbauen von Gewichten, es geht auch darum, dass diese sich nie da befinden wo man sie brauchen kann sondern meist an oder um die Beinpresse, damit irgendein Kasper Reps mit einer 5 cm ROM mit 500 Kg ausführen kann. Natürlich gilt das Gleiche auch für Kurzhanteln und sonstiges Equipment.

 

Und dass die anderen Mitglieder das auch nicht machen ist auch keine valide Ausrede. Nur weil die anderen Mitglieder Assis sind, musst du nicht auch einer sein sondern du könntest stattdessen mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Hass

 

 

9. Geht vernünftig mit dem Equipment um!

 

Ähnlich ätzend wie wenn man seine Gewichte nicht aufräumt ist es, wenn man mit dem Equipment umspringt wie ein Volltrottel. Ein Klassiker, den ich zuletzt wieder aus nächster Nähe verfolgen konnte, ist das Abwerfen der Kurzhanteln nach Drückbewegungen. Und klar, das Studio ist keine Bibliothek und dass man das es bei Kreuzheben oder beim Umgang mit schweren Kurzhanteln auch mal etwas lauter werden kann ist mir bewusst und das ist auch nicht gemeint.

 

Aber wenn man nach dem Kurzhantelbankdrücken die Hanteln aus der obersten Position regelrecht durch den Raum wirft, dann kann mir niemand erzählen dass das nicht Absicht ist. Wenn man stark genug ist, die Dinger überhaupt in diese Position zu bringen, dann wird man wohl auch stark genug sein diese wieder halbwegs normal ablegen zu können. Vielleicht denkt ihr, es wäre besonders Hardcore, die Hantel durch die Gegend zu schmeißen, hat ja Ronnie Coleman auch gemacht. Aber ihr seid nicht Ronnie, das McFit Castrop-Rauxel ist nicht das Metroflex und selbst bei Ronnie war das schon nicht cool, nur hätte sich niemand getraut ihm das ins Gesicht zu sagen, zumindest ich nicht.

 

Wenn ich jedenfalls jemand im Studio sehe, der die Hanteln durch die Gegend schmeißt oder beim Latzug den Gewichtsstapel aus voller Höhe knallen lässt, denke ich nicht „Geiler Typ“ sondern eher, „was für eine Missgeburt“.

 

10. Niemand will eure Trainingstipps hören

 

Eine Erfahrung, die ich auch selbst lernen musste ist, dass niemand scharf darauf ist, ungefragt Tipps zu bekommen. Und dabei geht es nicht mal nur um die Art, die maximal herablassend überbracht werden und eigentlich nur darauf abzielen seinem Gegenüber auf mehr oder minder subtile Weise zu vermitteln, dass er keinen Schimmer von Training hat. Auch wenn die Tipps sinnvoll sind und dazu dienen, dem Empfänger bessere Ergebnisse zu bescheren oder seine Gesundheit zu schützen, das Resultat wird fast sicher das gleiche sein. Der Angesprochene wird sich so oder so auf den Schlips getreten fühlen und die Ratschläge schon aus purem Trotz sowieso nicht umsetzen, also spart es euch. Ausgenommen natürlich, jemand fragt euch explizit nach eurer Meinung, dann sieht die Sache natürlich grundlegend anders aus.

 

11. Kleiderordnung

 

Bei männlichen Studiobesuchern ist die Menge an Stoff mit denen man sich bedeckt meist abhängig von der Trainingsdauer bzw. dem erreichten Körperbau, so dass sich, in einem Diagramm dargestellt, eine umgedrehte Glockenkurve bildet. In den ersten Monaten der Trainingskarriere besteht die Sportkleidung meist einfach aus einem T-Shirt und einer Sporthose. Aber sobald sich auf dem Bizeps erstmals eine Ader abzeichnet, wird das Shirt schnell gegen einen Stringer eingetauscht, der im Prinzip nur noch den Bauchnabel bedeckt. Man will ja schließlich zeigen, was für ein Biest man inzwischen geworden ist.

 

Mit zunehmender Muskulatur nimmt dann meist auch die Menge an Stoff wieder zu, sowohl im übertragenden als auch im buchstäblichen Sinne. Wenn man erstmal die Statur eines Silberrücken erreicht hat, trägt man in der Regel Shirts, die fast bis zu den Knien gehen und die Arme bis zu den Handgelenken bedecken. Der Vorteil dabei, Gewichtstechnisch auf dem Level eines Kleinwagens zu sein ist schließlich, dass man dieses Masse auch in weiten Klamotten noch sieht. Außerdem wird so die Roidakne effektiv verdeckt. Wer besonders Hardcore unterwegs ist, trägt ausschließlich Hoodies in XXL, auch im Sommer bei 35 Grad im Schatten. Das ist zwar furchtbar heiß aber lässt einen dafür besonders dedicated aussehen, was den drohenden Hitzschlag mehr als wert ist. Um hier etwas Ausgleich zu schaffen ist es dafür vollkommen legitim Shorts zu tragen, die nur noch wenig der Fantasie überlassen. Noch besser wären aber Ballonhosen, die bei den älteren Semestern Erinnerungen an MC Hammer wecken.

 

Frauen tragen grundsätzlich Teveos und Sport-BH wobei letzterer auch mal gegen ein weites T-Shirt getauscht wird, dass dann aber hinten in die Leggings gesteckt wird, schließlich hat man ne Menge Geld ausgegeben für Hosen, die den Hintern möglichst gut in Szene setzen. Den dann abzudecken wäre demnach kontraproduktiv. Im Gegensatz zu den männlichen Mitgliedern nimmt die Menge an Kleidung bei Frauen mit dem erreichten Fortschritt nur immer weiter ab, bis schließlich nur noch die Gesetze zur Sittenwidrigkeit eine Grenze setzen.

 

Vorbildlich bekleidetes Fitchick Level 5

 

Aber Spaß beiseite, ich finde es immer etwas affig irgendwelche Regeln aufzustellen, wer was im Gym tragen darf und wer nicht. Letztlich solltet ihr euch in eueren Sportklamotten einfach wohlfühlen, also tragt einfach was ihr wollt, egal ob Stringer oder verratztes Shirt. Nur zwei Regeln sollte man unbedingt einhalten: erstens sollten es wirklich Sportklamotten sein, also keine Jeans oder Arbeitsstiefel und zweitens solltet ihr diese oft genug wechseln und/ oder waschen, damit ihr andere nicht mit dem Geruch des eingetrockneten Schweißes der letzten 20 Legdays quält, auch wenn dies eine effektive Methode ist, den zwischenmenschlichen Kontakt zu minimieren und die Geräte nicht teilen zu müssen.

 

 

 

 

So, damit sind wir auch schon am Ende. Ich könnte natürlich noch diverse andere ungeschriebene Gesetze aufführen aber ein bisschen was sollt ihr ja auch noch selbst herausfinden. Ich hoffe ihr konntet ein bisschen was mitnehmen, was es euch erleichtert euch schnell und reibungslos in die Gym-Community zu integrieren. Auch gut wäre, wenn ihr euch bei dem einen oder anderen Punkt ertappt fühlen würdet und beim nächsten Mal eure verdammten Gewichte aufräumt. Willkommen im Gym!

 

Welche goldenen Gym-Regeln habe ich vergessen? Sagt es uns hier!

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